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UPD 131/18 - 13.11.2018                                 Meldung als pdf

Nachhaltigkeit in der Betriebswirtschaftslehre

Die diesjährige Herbsttagung der wissenschaftlichen Kommission Nachhaltigkeitsmanagement (NAMA) des Verbands der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e.V. befasste sich mit der Nachhaltigkeit in internationalen Wertschöpfungsketten.


NAMA-GruppeAugsburg/AT/KPP – "Auch diesmal hat uns unsere alljährliche Tagung wieder die beeindruckende Bandbreite innovativer und spannender Forschungsthemen im Bereich der betrieblichen Nachhaltigkeit vor Augen geführt, an denen im deutschsprachigen Raum intensiv gearbeitet wird." So resümiert Prof. Dr. Marcus Wagner, Inhaber des Augsburger Lehrstuhls für Innovation & Internationales Management, die diesjährige Herbsttagung der Kommission Nachhaltigkeitsmanagement des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaftslehre.

Bild: Über 70 Mitglieder der NAMA-Kommission des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaftslehre aus ganz Deutschland diskutierten auf ihrer diesjährigen Herbsttagung in Augsburg eine Vielzahl innovativer Forschungsansätze zur betrieblichen Nacxhhaltigkeit. Foto: Viktoria Zender

Von Wagner und seinem Kollegen Prof. Dr. Axel Tuma (Lehrstuhl für Production & Supply Chain Management) vom 4. bis zum 5. Oktober 2018 an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg ausgerichtet, bot die Tagung ihren über siebzig Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus ganz Deutschland in elf Sessions Einblicke in neue Projekte und Forschungsergebnisse zu Nachhaltigkeitsthemen und -problemen im betriebswirtschaftlichen Kontext. Auf der Tagesordnung standen das Verhältnis von Nachhaltigkeit und Digitalisierung und das Nachhaltigkeitsreporting ebenso wie die Nachhaltigkeit von Lieferketten und Marketing bis hin zu Zusammenhängen zwischen Finanzwesen und Treibgasemissionen und Fragen der sozialen Nachhaltigkeit.

Paradoxe Effekte von Nachhaltigkeitsinnovationen?

Prof. Dr. Jeremy Hall, Direktor des Centre for Social Innovation Management an der University of Surrey, umriss in seiner Keynote die Herausforderungen für Nachhaltigkeitsinnovationen am Beispiel der Umkehrung des aus der Halbleiterindustrie bekannten Moore‘schen Gesetzes. Er brachte dies in Bezug zu paradoxen Effekten der auf Norman Borlaug zurückgehenden sog. „Grünen Revolution“. Seine Überlegungen illustrierte er mit Fallbeispielen aus Brasilien und Kanada, die zeigen, dass Innovationsaktivitäten, die auf einen positiven Nachhaltigkeitsbeitrag abzielen, vielfach gegenteilige Effekte haben können. Dies liege unter anderem daran, dass regulatorische Prozesse im Kontext der Kommerzialisierung von Innovationen unterschätzt werden. Hall veranschaulichte dies anhand einer innovativen Technologie zur Ligninumwandlung, die Rohstoffe auf Erdölbasis in einer Vielzahl industrieller Anwendungen ersetzen könnte.

Kritikalität von Funktionsmaterialen und Wettbewerbsfähigkeit

Die zweite Keynote steuerte Prof. Dr. Armin Reller zum Tagungsprogramm bei. Der Inhaber des Augsburger Lehrstuhls für Ressourcenstrategie widmete sich der Kritikalität von Funktionsmaterialien in neuen Technologien. Er betonte die zentrale Rolle, die die Knappheit bzw. fortschreitende Verknappung bestimmter Rohstoffe im Zusammenhang mit den Umweltauswirkungen und den sozialen Bedingungen ihrer Gewinnung für die Wertschöpfungskette spielen. Gerade Klein- und Mittelständischen Unternehmen (KMUs), so Reller, fehle oftmals das Wissen, welche Rohstoffe in ihren Produkten und Bauteilen enthalten und welche Risiken damit verbunden sind. Um diese Risiken kalkulierbar zu machen, müsse man wissen, wie die zukünftige Verfügbarkeit dieser Rohstoffe zu beurteilen ist, aus welchen ggf. problematischen bzw. Konflikt-Regionen sie unter welchen Bedingungen bezogen werden können bzw. müssen und welche Strategien dementsprechend geeignet sind, die Wettbewerbsfähigkeit unter Nachhaltigkeitsbedingungen zu sichern.

Die zentralen Themen der Keynote-Session zogen sich auch durch eine Reihe von anderen Sessions. Dies betraf insbesondere die Frage, ob etablierte Unternehmen die treibende Kraft für radikale Nachhaltigkeitsinnovationen sind, aber auch die Rolle der Digitalisierung. Diese Fokussierung zeigt einen wichtigen aktuellen Trend auf, nämlich, wie Innovationen insbesondere im Bereich digitaler Technologien globale Wertschöpfungsketten nachhaltiger machen können.

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Die Wissenschaftliche Kommission NAMA Nachhaltigkeitsmanagement (NAMA)

... des Verbands der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft e. V. (VHB) koordiniert und vernetzt die Lehr- und Forschungsaufgaben ihrer Mitglieder auf dem Gebiet der betrieblichen Umweltwirtschaft und des nachhaltigen Wirtschaftens. Inhaltlich sind diese Lehr- und Forschungsaufgaben fokussiert auf das Management der effektiven und effizienten Bewirtschaftung von Naturgütern durch Unternehmen unter Beachtung der ökologischen Erfordernisse des Erhalts natürlicher Kreisläufe sowie die sozialverträgliche und langfristig ökonomisch erfolgreiche Unternehmensführung. Diese spezifische Managementfunktion wird einerseits mit Bezug zu den betrieblichen Grundfunktionen (nachhaltiges Controlling, nachhaltiges Marketing, nachhaltige Produktionswirtschaft etc.) und andererseits in ihrer integrativen und auch wissenschaftstheoretischen Perspektive beleuchtet. Die Arbeit der Kommission hat daher sowohl Bezüge zu den Themen der anderen wissenschaftlichen Kommissionen im VHB als auch interdisziplinäre Bezüge sowohl zu den Sozial- als auch Technik- und Naturwissenschaften.

Nach der TU Dresden und der Universität zu Köln in den beiden vorangegangenen Jahren war die Universität Augsburg 2018 Ausrichterin der jährlichen NAMA-Herbsttagung. Unterstützt wurde die Augsburger Tagung von der Georg-Haindl-Wissenschaftsstiftung.

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Ansprechpartner:

Prof. Dr. Marcus Wagner
Lehrstuhl für BWL, insbes. Innovation und internationales Management
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Augsburg
Telefon: 0821/598-4079
marcus.wagner@wiwi.uni-augsburg.de

Dr. Andrea Thorenz
Forschungsgruppe Resource Lab
Institut für Materials Resource Management der Universität Augsburg
Telefon: 0821/598-3948
andrea.thorenz@mrm.uni-augsburg.de