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UPD 35/19 - 15.03.2019                                 Meldung als pdf

Am 28. März 2019 um 18.00 Uhr an der Universität Augsburg:

Die Stille schreit

Eine beeindruckende filmische Dokumentation der Ausgrenzung und Vernichtung jüdischer Mitbürger durch das Nazi-Regime am Beispiel der Augsburger Familien Oberdorfer und Friedmann


Oberd_Friedmanns

Augsburg/KPP – Nach seiner förmlich überrannten Augsburger Uraufführung am 28. Januar 2019 und nach inzwischen zahlreichen, meist ebenfalls ausgebuchten weiteren Vorstellungen in Augsburg und andernorts, wird der Dokumentarfilm "Die Stille schreit" am 28. März 2019 an der Universität Augsburg gezeigt. In 74 Minuten zeichnet der Film das Schicksal der jüdischen Augsburger Familien Friedmann und Oberdorfer nach. Er dokumentiert, wie beide Familien – die eine Betrieb eine Schirmmanufaktur in der Maximilianstraße, die andere eine Wäschefabrikation am heutigen Martin-Luther-Platz – in nationalsozialistischer Scheinlegalität aus ihrer wirtschaftlichen Existenz, aus ihrer Heimatstadt und aus dem Leben gedrängt wurden.

 

Bild: Von den Nazis erst wirtschaftlich vernichtet, dann getötet bzw. in den Tod getrieben: Die Ehepaare Emma und Eugen Oberdorfer (oben) und Selma und Ludwig Friedmann. Fotos: Aus dem Film "Die Stille schreit"

"Die Stille schreit" ist eine gemeinsame Produktion des Augsburger Filmemachers Josef Pröll und der Enkelin der Oberdorfers und der Friedmanns, Miriam Friedmann. Unterstützt von Dr. Friedhelm Katzenmeier und Dr. Bernhard Lehmann haben sie vier Jahre lang die Augsburger Lebens- und Leidenswege beider Ehepaare in der Zwischenkriegszeit und unter der Naziherrschaft bis zu deren Ermordung im Konzentrationslager bzw. ihrem Freitod angesichts ihrer bevorstehenden Deportation akribisch recherchiert und eindrucksvoll filmisch dokumentiert.

Gnadenlos systematische Entrechtung

"Das Ergebnis ist ein ebenso sachlicher wie berührender Film, der in vielen Details die systematische Enteignung deutscher Juden ... zeigt", schreibt Birgid Müller-Bardorff in der Augsburger Allgemeinen. Und Ellen Presser meint in der Jüdischen Allgemeinen: "Wie 'gnadenlos systematisch' die schrittweise Entrechtung und der Raubzug am redlich erarbeiteten Besitz zweier angesehener jüdischer Familien in Augsburg verlief, lässt den Betrachter noch im Nachhinein fassungslos zurück."

Die Vorführung des Films an der Universität Augsburg haben der Rechtshistoriker Prof. Dr. Christoph Becker und die Studierenden der Juristischen Fakultät initiiert. Der Film steht im Kontext einer Veranstaltungsreihe der Juristischen Gesellschaft Augsburg e. V., die sich bereits mit der Verfolgung jüdischer Rechtsanwälte auseinandergesetzt hat und weiter auch die Besorgnis der Europäischen Kommission um den allgegenwärtigen Antisemitismus in den Blick nehmen wird.

Ehrenbürger der Universität Augsburg

Wenn es denn eines ganz speziellen Grundes bedürfte, den Film "Die Stille schreit" auch an der Universität Augsburg zu zeigen, gäbe es auch ihn: Der Vater von Miriam Friedmann, Prof. Dr. Dr. h. c. Friedrich Georg Friedmann, der gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth, geborene Oberdorfer, 1933 über Italien, England in die USA geflohen, 1960 aus den USA nach Deutschland – erst an die LMU München, dann, in Wiederannäherung an seine Heimatstadt Augsburg, nach Friedberg – zurückkehrte, zählte neben Josef Felder und Hans-Heinrich Herwarth Freiherr von Bittenfeld zu den ersten drei Persönlichkeiten, denen die Universität Augsburg 1989 ihre Ehrenbürgerwürde verliehen hat (siehe http://www.uni-augsburg.de/allgemeines/ehre/index.html#buerger).

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Mehr zum Film: http://www.diestilleschreit.de

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"Die Stille schreit"

Vorführung des Dokumentarfilms von Josef Pröll unter Mitwirkung von Miriam Friedmann (2019, 74 Minuten)

  • Donnerstag, 28. März 2019, 18.00 Uhr
  • Juristische Fakultät, Universitätsstraße 24 (Gebäude H), HS 1001
  • Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.