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UPD 104/19 - 15.07.2019                                 Meldung als pdf

Schmerz – Musik – Medizin

Die BMBF/HRK-Initiative „Kleine Fächer-Wochen“ ermöglicht es der Musiktherapie, sich über das ganze kommende Wintersemester hinweg als Schnittstellen-Disziplin ins öffentliche Bewusstsein zu bringen.


Prof. Dr. Susanne MetznerAugsburg/KPP – „Der Stellenwert der Kleinen Fächer in Deutschland muss sichtbarer werden, um die gesamte kulturelle Breite der Wissenschaft zu zeigen“, meinte die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, zum Auftakt der "Kleine Fächer-Wochen". Mitte Juni haben die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und das BMBF den offiziellen Startschuss für diese bundesweite Initiative gegeben. Eines der 17 Projekte, die dabei gefördert werden, trägt den Titel „Musiktherapie im Spannungsfeld gesellschaftlicher Herausforderungen“. Neben der Universität Augsburg sind fünf Hochschulen an diesem Verbundprojekt zur musiktherapeutischen Lehre, Forschung und Praxis beteiligt. Augsburger Projektsprecherin ist Prof. Dr. Susanne Metzner, Inhaberin der Professur für Musiktherapie am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg.

Bild: Prof. Dr. Susanne Metzner leitet seit drei Jahren den Masterstudiengang Musiktherapie am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg. Die Chance, ihr Fach – im Rahmen der "Kleine Fächer-Wochen" von BMBF und HRK gefördert – der Öffentlichkeit zu präsentieren, nutzt sie mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm im kommenden Wintersemester. Foto: Klaus Satzinger-Viel

Kleine Fächer? Als solche werden – in Abgrenzung zu großen oder mittelgroßen – Disziplinen definiert, die deutschlandweit je Universitäts- bzw. Hochschulstandort von nicht mehr als drei Professuren vertreten werden. Ziel der gemeinsamen Initiative von HRK und BMBF sei es, diese Fächer, die in der deutschen Hochschullandschaft eine wichtige, aber selten gewürdigte Rolle spielten, zu stärken. Man wolle "die wissenschaftlichen Leistungen der Kleinen Fächer sichtbarer machen, über Studienmöglichkeiten und Berufsperspektiven informieren und die Alltagsrelevanz der Kleinen Fächer erlebbar machen“, so HRK-Präsident Prof. Dr. Peter-André Alt zum Hintergrund und Anliegen der "Kleine Fächer-Wochen".

Mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen

Universitäten und Hochschulen waren aufgerufen, individuell akzentuierte Konzepte für Projekte einzureichen, die sich eignen, dieses Anliegen umzusetzen – etwa in Form von Ausstellungen, Veranstaltungen mit Schulklassen, Vorträge, Diskussionen und Begegnungen, die über den Tellerrand der jeweiligen Hochschulen hinausweisen und das Fach ins Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern bringen.

Ein sehr kleines unter den „Kleinen Fächern“

„Wir freuen uns sehr, dass wir mit der Musiktherapie und damit mit einem sehr kleinen unter den ‚Kleinen Fächern’ von der unabhängigen Gutachterkommission der HRK und des BMBF zur Förderung ausgewählt wurden und so die Chance haben, uns als wissenschaftliche Disziplin stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken“, sagt Susanne Metzner.

An der Schnittstelle zwischen Medizin und Kunst

Mit im Boot sind neben der Universität Augsburg fünf deutsche Hochschulen, an denen die Musiktherapie vertreten ist: die Hochschule für Musik und Theater Hamburg, die Universität der Künste Berlin, die SRH Hochschule Heidelberg sowie die Hochschulen Würzburg-Schweinfurt und Friedensau. Metzner: „Alle Projektpartner haben individuelle, auf die Gegebenheiten ihres jeweiligen Standorts bezogene Veranstaltungsprogamme beigesteuert, die geeignet sind, nicht nur zu zeigen, was unser Fach für die therapeutische Praxis zu leisten vermag und bedeutet, sondern Musiktherapie als eigenständige wissenschaftliche Fachdisziplin mit engen Bezügen zu verschiedenen Wissenschaften – u. a. zur Medizin und Psychologie – und zur Musik als Kunst zu präsentieren."

Altbewährte Kooperation mit der neuen Augsburger Universitätsmedizin

„In Augsburg“, sagt sie weiter, „haben wir den großen Vorteil, die Präsentation unseres Faches, die wir auf das Thema ‚Schmerz – Musik – Medizin’ ausrichten werden, auf seit Jahren erfolgreich etablierte Forschungskooperationen mit dem Interdisziplinären Zentrum für Palliativmedizin (IZPV) und dem Bayerischen Kinderschmerzzentrum stützen zu können. Durch die Errichtung der neuen Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg und die damit verbundene Umwandlung des Klinikums Augsburg in unser Universitätsklinikum haben diese bewährten Kooperationen einen zusätzlichen Impuls erfahren. Als Kleines Fach kann die Musiktherapie im Schnittfeld sehr unterschiedlicher Wissenschaften an der Universität Augsburg mehr denn je punktuell eine integrierende Funktion einnehmen.“

Der Schmerz verlangt nach interdisziplinärer Forschung

Gerade das Phänomen Schmerz ist nämlich einerseits Gegenstand von Medizin und Therapie, andererseits seit jeher aber auch Gegenstand der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften sowie der Kunst. In der musiktherapeutischen Schmerzbehandlung gehen diese verschiedenen Wissensbereiche ineinander über. „Wir haben an der Universität Augsburg jetzt also beste Voraussetzungen, um in Verbindung mit den klinischen Potenzialen vor Ort unsere Forschungsaktivitäten auf dem Gebiet der psychosomatischen Musiktherapie der interessierten Öffentlichkeit vermitteln zu können."

Auftaktsymposium, Vorträge mit Konzerten und eine Forschungswerkstatt

Die „Kleine Fächer-Wochen“ der Augsburger Musiktherapie stehen unter dem Motto SCHMERZ-REIZ. Sie werden mit zahlreichen Veranstaltungen unterschiedlicher Formate über das ganze Wintersemester 2019/20 hinweg die Öffentlichkeit allgemein, darüber hinaus aber auch das Fachpublikum adressieren. U. a. wird es im Dezember 2019 bei einem Interdisziplinären Kolloquium „Klang | Riss“ um das Phänomen Schmerz im Licht von Literatur, Musik und Philosophie gehen. Zum Abschluss der „Kleine Fächer-Wochen“ wird sich Anfang Februar 2020 die „werkstatt für musiktherapeutische forschung“, bei der sich die deutsche Musiktherapie-Community jährlich in Augsburg versammelt, diesmal ganz den Zusammenhängen von Schmerz, Musik und Medizin in all ihren Aspekten widmen.

Musiktherapeutische und medizinisch-klinische Kompetenz

Auf Seiten der Musiktherapie zeichnet neben Prof. Dr. Susanne Metzner ihr Kollege und Stellvertreter in der Leitung des berufsbegleitenden Augsburger Masterstudiengangs Musiktherapie, Prof. Dr. med. Hans Ulrich Schmidt, für Programmgestaltung und Organisation verantwortlich. Schmidt leitet zugleich den Bereich Ärztliche Psychotherapie am Ambulanzzentrum und an der Poliklinik für Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.

Die Augsburger Universitätsmedizin engagiert sich in den „Kleine Fächer-Wochen“ der Musiktherapie unter Federführung des Kinderhämatologen und -onkologen und Kinderpalliativmediziners Prof. Dr. Dr. Michael Frühwald. Er ist Chefarzt der I. Klinik für Kinder und Jugendliche sowie Leitender Arzt des Schwäbisches Kinderkrebszentrums Augsburg/Bayerischen Kinderschmerzzentrums und Sprecher des klinischen Ethikkomitees (KEK) am Universitätsklinikum Augsburg. Mit Frühwald kooperieren dabei die Anästhesistin, Schmerztherapeutin, Notfall- und Palliativmedizin Dr. Irmtraud Hainsch-Müller als Leitende Oberärztin des Interdisziplinären Zentrums für Palliativmedizin (IZPV) und der Hämatoonkologe und Palliativmediziner Dr. Christoph Aulmann.

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Ansprechpartnerin:

Prof. Dr. Susanne Metzner
Leiterin des Fachbereichs Musiktherapie am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg
86135 Augsburg
Telefon 0821/598-6116
susanne.metzner@phil.uni-augsburg.de

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Pressebild zum Download:

Prof. Dr. Susanne MetznerProf. Dr. Susanne Metzner leitet seit drei Jahren den Masterstudiengang Musiktherapie am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg. Die Chance, ihr Fach – im Rahmen der "Kleine Fächer-Wochen" von BMBF und HRK gefördert – der Öffentlichkeit zu präsentieren, nutzt sie mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm im kommenden Wintersemester. Foto: Klaus Satzinger-Viel